Die Räuber vom Mordkuhlenberg (2005)

Mordkuhlenberg 600 dpi

Die Sage „Die Räuber vom Mordkuhlenberg“

Mitten in den Dammer Bergen erhebt sich ein Berg, der Mordkuhlenberg, in dem sich früher eine Räuberhöhle befand.

Hier hausten 6 Räuber: Adlerauge, Gänsekiel, Eisenmann, Koch, Doofmann und der raubeinige Räuberhauptmann. Sie hatten über den Weg, der von Steinfeld nach Damme führt, dünne Fäden gespannt, und wenn die Hufe der Pferde vor den Kutschen die Fäden berührten, erklangen Silberglocken, die an den Fäden befestigt waren. Dann sprangen die Räuber aus ihrem Versteck und beraubten die Reisenden und Händler.

Theaterprobe, 9.12.06 010

Als Gipfel ihrer Untaten entführten sie ein junges Mädchen aus Steinfeld mit dem Namen Anna Maria Wieferich. Es musste viele Jahre den Räubern den Haushalt führen, und jedes Jahr bekam es vom Räuberhauptmann ein Kind. Die Räuber hängten das jeweils Neugeborene wie eine Puppe an eine Wäscheleine. Sie grölten dazu:

Knipperdoehnken, Knipperdoehnken,
ei, watt danzt dat junge Soehnken.
Knipperdoehnken, Knipperdoehnken,
ei, watt danzt dat junge Soehnken.

Nach sieben Jahren und unzähligen Bitten durfte Anna Maria endlich den Gottesdienst am Ostersonntag in Damme besuchen. Sie schwor vorher den Räubern den christlichen und den räuberischen Eid, gegenüber den Kirchenbesuchern zu schweigen und nichts von der Höhle zu verraten. Sie versprach es, aber insgeheim hatte sie eine raffinierte Idee entwickelt.

Nach Beendigung des Gottesdienstes stellte sie sich an die Mauer des Kirchturms und erzählte den Mauern, als seien diese die Menschen, ihre Leidensgeschichte.
Sie flüsterte immer:
Kirchenmauer, dir klage ich,
ich heiße Anna Maria Wieferich.
Ich streue Erbsen auf meinen Weg
bis dort, wo ich mich schlafen leg.
Dieses Flüstern wurde von den Mauern wie ein Echo zurückgeworfen und verbreitete sich schnell unter den Kirchenbesuchern.

Anna Maria ging wie versprochen zu den Räubern zurück. Unterwegs streute sie aber Erbsen aus, damit man ihrer Spur folgen könne.
Die aufmerksam gewordenen Kirchgänger benachrichtigten den Pastor in Damme und dieser den Bischof in Osnabrück. Der Bischof schickte sofort Soldaten in die Dammer Berge, und der Feldhüter Peter Persing, der die Spur aus Erbsen gefunden hatte, ließ einen Soldaten als Händler verkleiden. Als die Hufe seines Pferdes in die feinen Bindfäden gerieten, erklangen in der Höhle die Silberglocken.
Die Räuber sprangen auf und überfielen den Händler, doch die Soldaten stürzten aus dem Hinterhalt auf die Räuber und nahmen sie kurzerhand fest.

Im Dammer Gericht wurde den Räubern der Prozess gemacht. Unmittelbar nach der Urteilsverkündung wurden die Räuber gehenkt und baumelten wie Puppen im Winde am Galgen so, wie vorher die Räuber die neugeborenen Kinder an die Wäscheleine gehängt hatten.